Zündende Ideen für ein lebendiges Ortsleben

26.10.2011 Alter: 6 Jahr(e)
Von: TV vom 22./23.10.2011
Kategorie: Presse
Ein ansprechender Dorfplatz mit Bürgercafé für den Ortsteil Sirzenich, neue Betätigungsfelder für Senioren und Jugendliche - das wünschen sich Bürger. Etwa 100 von ihnen waren am Donnerstag ins Gemeindehaus gekommen, um sich über die Ergebnisse der Dorfmoderation zu informieren.

Im vollbesetzen Gemeindehaus Trierweiler verfolgen Bürger die Ergebnispräsentation der Dorfmoderation. TV-Fotos (4): Marcus Hormes

Trierweiler. Die vollbesetzten Stuhlreihen bei der Vorstellung des Endberichts der Dorfmoderation am Donnerstagabend im Gemeindehaus machen Ortsbürgermeister Matthias Daleiden Hoffnung: "Wir als Gemeinde und Lenkungsausschuss können nur Anreize geben, die Sache steht und fällt mit dem Engagement der Bürger", sagte er den etwa 100 Zuhörern. Ein halbes Jahr hatte es in der 3800-Einwohner-Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem Institut Taurus pro der Uni Trier Dorfbegehungen, Diskussionsrunden und Workshops gegeben. Sprecher der vier Arbeitsgruppen präsentierten die im Dialog mit Bürgern erarbeiteten Ergebnisse: Ortskern Sirzenich: Der Dorfplatz soll attraktiver und kommunikativer werden - mit einem Bürgercafé als interaktiver Schaltzentrale, sagte Michael Schuhmacher. Untergebracht werden könnte das Café in einem alten Haus nahe der Kirche, das der Gemeinde gehört und restauriert werden müsste. Ortsbürgermeister Daleiden sagte, die Restaurierung müsse in ein Gesamtkonzept der Dorferneuerung eingebunden werden. Er geht davon aus, dass Trierweiler als Schwerpunktgemeinde bis zu 80 Prozent Förderung bekommt. Bürgerschaftliches Engagement: Bürger schätzten das gute Kultur- und Freizeitangebot sowie das rege Vereinsleben im Ort, sagte Matthias Daleiden, aber es gebe auch Defizite. Vereine beklagten, immer weniger Menschen kämen zu ihren Festen. Die in der Arbeitsgruppe thematisierten Einrichtungen Bürgerbüro und Bürgerbus sollen vorerst zurückgestellt werden. Einen Bedarf für ein Bürgerbüro mit Teilzeit-Stelle erkennt Daleiden nicht, im Bedarfsfall werde eine ehrenamtliche Besetzung erwogen. Ein Bürgerbus sei zwar grundsätzlich wünschenswert, um etwa Bewohner der Ortsteile ins infrastrukturstarke Trierweiler zu fahren, doch sei "der Zeitpunkt noch nicht gekommen". Daleiden: "Die Sache ist komplex und birgt viele Unwägbarkeiten. Wir müssten einen Bürgerbusverein gründen und ehrenamtliche Fahrer finden." Jugendliche: In Absprache mit Jugendpflegerin Waltraud Alten wollen die Jugendlichen bei der Umgestaltung des Parkplatzes am Kindergarten Sirzenich mitanpacken, etwa bei der Anbringung neuer Tornetze und Markierungen auf dem Basketballfeld. Auch Grillecke und Bolzplatz in Trierweiler sollen auf Vordermann gebracht werden. Gregor Schleimer, Elisabeth Korn und Janina Briem stellten die Ergebnisse ihrer Arbeitsgruppe vor. Auch ein Rockfestival "von Jugendlichen für Jugendliche" steht auf dem Wunschzettel. Der Ortsbürgermeister sagte Hilfe zu. Senioren: Auf ehrenamtlicher Basis soll ein Seniorenbüro nach dem Vorbild Triers eingerichtet werden, sagte Arbeitsgruppen-Sprecherin Anke Reichelt. Trier-Lands Seniorenbeauftragte Herta Kartheiser erläuterte, welche Angebote denkbar seien, darunter Kurse, Fahrten, Treffs. Leitbild: Dass die Gemeinde "behutsam" auf bis zu 4000 Einwohner in 20 Jahren wachsen wolle, war laut Ortsvorsteher Walter Bonerz ein Ergebnis der Leitbilddiskussion, die im Bürgerhaus Fusenich stattfand. Meinung Die Bürger haben gesprochen Die Bürger an der Entwicklung ihres Wohn- und Lebensumfeldes zu beteiligen ist grundsätzlich eine gute Sache. Einmal für die Bürger selbst, weil viele von ihnen helfen wollen, wenn ihnen das Ziel lohnenswert erscheint und sie gefragt werden. Andererseits profitieren Gemeinden, weil sie in Zeiten knappen Geldes mehr denn je auf ehrenamtliche Mitarbeit angewiesen sind, um lebenswert zu bleiben. Die Dorfmoderation in Trierweiler hat gezeigt, dass sich in den vier Ortsteilen das Kirchturmdenken festgebissen hat - was kein Makel ist. Jeder ist nun mal sich selbst der Nächste, und Verwaltungsgrenzen existieren nur in Akten und Karten, aber nicht in den Köpfen der Bürger. Udelfangen und Fusenich wollen keine Veränderungen, Sirzenich das Bürgercafé und einen schönen Platz, die Senioren ihr Büro und die Jugend ihr Festival. Dieses Paket reicht fürs Erste und sollte zu schnüren sein. a.follmann@volksfreund.de Extra Thomas Zenner (46), Trierweiler-Sirzenich: "Von der Präsentation bin ich positiv überrascht, denn ich hatte mit weniger gerechnet. Die Vorschläge zu Sirzenich sind sehr konkret. Ein Café als zentraler Treffpunkt ist eine gute Idee, weil es dort kein Geschäft mehr gibt." Dietmar Clasen (75), Trierweiler: "Wir sind vor sechs Jahren nach Trierweiler gezogen, weil es eine sehr schöne Gemeinde ist. Die Bürger müssen selbst die Initiative ergreifen und zum Beispiel dafür sorgen, dass der Grillplatz oder der Boule-Platz in Ordnung bleibt." Elisabeth Korn (18), Trierweiler: "Ich finde es gut, dass Bürger die Chance haben, sich zu engagieren. Es ist allerdings schade, dass nur so wenige und immer dieselben mitmachen. Vielleicht ist Trierweiler schon zu groß, um gemeinsam etwas zu organisieren." cus